Als Maria Ward am 23. Januar 1585 geboren wurde, litt England unter einer grausamen Katholikenverfolgung. Aufgrund der anglikanischen Religionsgesetze wurden regelrechte Treibjagden auf die Katholiken veranstaltet. Auch die Familie Ward hatte viel für die katholische Sache zu leiden.
Maria war ein Jahr alt, als sie beinahe gefährlich gestürzt wäre. Ihre Mutter rief aus : "Jesus, schütze mein Kind !" Maria wiederholte den Namen, den sie eben gehört hatte : Jesus. Es war ihr erstes Wort.
Das
erste Wort der kleinen Maria war "Jesus". Nach diesem kam monatelang kein
anderes Wort über ihre Lippen.
Obwohl sie Verlangen nach Achtung und Liebe verspürte, lehnte Maria drei Heiratsanträge ab, da sie ganz offen sein wollte für Gottes Willen. Dabei erfuhr sie bereits als junges Mädchen die helfende Kraft des Gebetes.
Maria
Ward wird in ihrem 10.Lebensjahr von ihren Eltern angehalten, sich mit
einem jungen Mann namens Redshew zu vermählen.
Er
stammte aus einem sehr wohlhabenden und berühmten Geschlecht. Maria
aber bittet Gott innig, diese Heirat zu verhüten, wenn sie
nicht
zu seiner Ehre und ihrem Seelenheil gereiche. So geschah es auch.
Die nächsten 6 Jahre verbrachte Maria bei einer verwandten Familie (Babthorpe), wo sie auf ihr späteres Leben vorbereitet wurde. Eine alte Magd erzählte Klostergeschichten. Maria spürte den Ruf, für Gott ganz da zu sein. Darin bestanden für sie Sinn und Mitte des Ordensstandes. Im Laufe der Zeit wuchs die Überzeugung, dass sie auf dem Festland in einen Orden, in das strengste Kloster eintreten müsse, "da sich eine Seele voll und ganz, nicht nur zum Teil Gott hingeben soll."
Als
die 15jährige Maria mit ihrer Cousine Barbara Babthorpe beim Nähen
saß, hörte sie eine gottesfürchtige Frau namens Margaret
Garret
über
eine Ordensperson erzählen. Diese habe ein Ärgernis gegeben und
sei dafür streng bestraft worden. Durch diese Erzählung
erhielt
Maria von Gott eine klare Einsicht in die Vortrefflichkeit des geistlichen
Standes, dass sie sich entschloss,
sich
einem solchen Stand der Vollkommenheit zu widmen.
Nach einigen Widerständen gab der Vater nach und Maria trat in ein Klarissenkloster in St. Omer (Belgien) ein.
Als
Marias Seelsorger im Jahre 1606 in London die heilige Messe las, stieß
er durch ein göttliches Verhängnis den Kelch um.
Dieses
Mißgeschick bewirkte eine Sinnesänderung in ihm : Nach der hl.
Messe reichte ihm Maria ehrfurchtsvoll das Handtuch,
damit
er seine Hände abtrocknen könne. Da sagte er zu ihr tränenüberströmt
: Es sei mir fern, ihr geistliches Vorhaben weiterhin zu hindern,
ich
will mich vielmehr bemühen, es aus allen Kräften zu fördern.-
Das geschah auch.
Im Jahre 1608 gründete Maria ein Klarissenkloster für Engländerinnen. Maria glaubte sich am Ziel ihres Suchens, auch wenn es Momente der Unsicherheit gab. Am 2. Mai 1609, als sie wie die anderen mit Handarbeiten beschäftigt war, kam ein inneres Licht über sie, das sie ganz einnahm. Sie verstand, dass sie nicht im Orden der heiligen Klara bleiben, sondern "etwas anderes" tun solle. Doch was wollte Gott von ihr ?
Ein ähnliches Erlebnis wie am 2. Mai überfiel Maria gegen Ende 1609 wie ein heftiger Ansturm. Ihr wurde in einem Augenblick klar, dass sie für "etwas anderes" bestimmt war, das mehr der Ehre Gottes diene. Sie verstand, das "Andere" werde zur Verherrlichung Gottes gereichen.
Im
Jahre 1609 in London hatte Maria eben ihre Betrachtung beendet, als sie
meinte, dass sie diese nicht mit genügendem Eifer verrichtet hätte.
Um
diesen Fehler gutzumachen, nahm sie sich vor, einer adeligen Person, die
gerne in einen Orden eingetreten wäre, aber die Mittel hierzu nicht
hatte, die erforderliche Mitgift zu geben; dabei geriet sie in Verzückung
und wurde des Gebrauchs aller Sinne und Bewegungen beraubt.
Sie
erkannte, dass es nicht der göttliche Wille sei, dass sie in einen
strengen Orden eintrete, sondern, dass sie zu einem weit vortrefflicheren
Stand berufen sei, welcher die Ehre Gottes weit mehr fördere. In ihren
Ohren widerhallten die Worte :
Gloria,
Gloria, Gloria ...
So gründete Maria Ende 1609 mit fünf
anderen Frauen eine neue Ordensgemeinschaft in St. Omer.
Hauptaufgabe dieses Instituts waren Gebet,
Unterricht und Erziehung von Mädchen.
Durch
ihr gutes Beispiel warb Maria 1609 zu London einige adelige Fräulein
für den göttlichen Bräutigam. Diese folgten ihr nach St.
Omer, um den Fallstricken der Welt zu entgehen. Unter ihrer Leitung führten
sie ein geistliches Leben.
Zunächst gab es keinen besonderen Namen für die neue Gemeinschaft. So nannten sie die Leute von St. Omer "die englischen Fräulein" oder "die Englischen Jungfrauen".
Schon seit Jugendjahren auf das Ignatianische Ideal vorbereitet, schuf Maria das weibliche Gegenstück zum Jesuitenorden. In einer Stunde der Gnade Ende 1611, wurde ihr Klarheit darüber gegeben, wie ihr Orden zu gestalten sei. Es solle "das Gleiche von der Gesellschaft Jesu" sein, soweit dies für Frauen angemessen sei.
Als
Maria 1611 von einer tödlichen Krankheit genas und ganz allein in
ungewöhnlicher Ruhe zu Bette lag, hat sie ganz deutlich durch eine
innere Stimme vernommen, auf was für eine Weise sie ihr Institut einrichten
solle. Das brachte ihr so viel Licht, Trost und Stärke, dass sie gar
nicht zweifelte, dass diese Erkenntnis von der göttlichen Wahrheit
stamme, die nicht betrügen kann.
Das Institut sollte unmittelbar dem Papst
unterstellt sein und frei von der im Kirchenrecht vorgeschriebenen Klausur.
Es sollte zentral geleitet werden von einer Generaloberin.
Es folgten Gründungen von Niederlassungen
und Schulen in Lüttich, Köln, Trier, Rom, Neapel, Perugia, München,
Wien, Pressburg.
Nach anfänglicher Anerkennung ihrer Tätigkeit durch den Papst wuchs der Widerstand gegen ihr Werk von seiten englischer Priester und in der römischen Kurie. Unverständnis für apostolisches Wirken von Frauen, Verdächtigungen und Verleumdungen jeder Art zwangen Maria Ward, dreimal nach Rom zu gehen um ihre Gründungen zu verteidigen :
Das 1. Mal, um die Bestätigung beim Papst zu erbitten,
das 2. Mal, um ihr Werk vor der geplanten Auflösung zu retten und
das 3. Mal weil die Inquisition sie zitiert hatte.
Trotz aller Bemühungen hob Papst Urban VIII 1631 das Institut auf. Maria selbst wurde in München als Ketzerin eingesperrt. Der römische Inquisitionsprozess endete mit er völligen Rechtfertigung : das Heilige Tribunal findet die Englischen Fräulein "keines Verstoßes gegen den heiligen und orthodoxen katholischen Glauben schuldig".
Maria Ward hat lebenslang der Kirche und dem Papst die Treue gehalten und wollte dies auch von denen, die ihr Institut weitertrugen.
Trotzdem erhielten die Maria - Ward - Schwestern erst lange nach dem Tod ihrer Gründerin die endgültige päpstliche Anerkennung (1877).
Am 30. Januar 1645 starb Maria Ward in ihrer Heimat. Das erste Wort in ihrem Leben wurde auch zu ihrem letzten - mit dem dreimaligen Ruf "Jesus" ging Maria in den großen Frieden Gottes ein.
Nur
die,welche Gott ganz gehören,
sind
stark und geeignet
zu
all jenen guten Werken,
die
in der Welt getan werden sollen.